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Die liebe Familie besuchen

Ich weiß ja nicht wie es bei euch so ist mit Familienfeiern, Geburtstagen und sonstigen Feiertagen, aber bei uns gibt es nicht eine große Feier zu der man sich trifft. Nein, wir haben Familie in Niederösterreich, Burgenland, Wien und Deutschland. Natürlich will jeder die wichtigsten Feiertage gemeinsam verbringen, aber die Zeit reicht vorne und hinten nicht. Würde ich alle Familienmitglieder abklappern – puh, dann würde ich wohl 7 Tage brauchen oder 4, wenn ich jeweils 2 Orte an einem Tag besuche. Na vielen Dank auch.

Ihr fragt euch, warum ich herumfahren müsste? Naja, der eine Teil der Familie kann nicht vorbeikommen und der andere Teil der Familie will nicht vorbeikommen. Die Gründe sind vielfältig und reichen von Unsportlichkeit über Schmerzen bis hin zu Faulheit und Ausreden. Aber ich muss dazu sagen – es gibt auch Teile der Familie die uns besuchen kommen! Über diesen Teil der Familie bin ich besonders froh. Ich bin so dankbar, wenn jemand sich treffen will und sagt „ich komme vorbei“ oder „treffen wir uns doch auf einem Spielplatz“! Das erleichtert mir alles einfach ungemein. Ich muss nicht ewig durch die Gegend fahren, muss nicht so viel Zeug einpacken und kann im Notfall schnell nach Hause in den sicheren Hafen. Einfach großartig und entspannt!

Warum Familienbesuche für mich anstrengend sind

Es gibt so viele Punkte, die mich wirklich stören wenn ich unsere Familie besuchen fahre. Fangen wir mal bei der Sicherheit an. Wenn wir ganz ehrlich sind – wie viele Familienmitglieder sorgen denn wirklich dafür, dass die Umgebung kindersicher ist? Ich für meinen Teil darf am laufenden Band hinter meinem Kind herlaufen und „Nein“ sagen. Sei es, weil Steckdosen ungesichert sind, weil die Schränke nicht geöffnet werden dürfen oder weil das Kind helfen will und nicht darf. Nach solchen Familienbesuchen bin ich abends einfach nur ausgelaugt und brauche mindestens einen Tag Pause. In gewohnter Umgebung wo mein Kind so gut wie alles darf, weil es einfach sicher ist. Ich muss nicht immer hinterherlaufen und „Nein“ sagen. Die Kämpfe und Wutanfälle sind fast nicht vorhanden und es ist einfach alles viel entspannter.

Hinzu kommt noch der Spielzeug- und Beschäftigungsmangel! Jetzt mal ehrlich, welches Kleinkind setzt sich ruhig hin und spielt durchgehend mit 3 Spielsachen? Total langweilig! Also muss ich je nach vorhandenen Spielsachen etwas mitnehmen. Das macht meine Tasche nicht unbedingt leichter. Will mein Kind dann nicht in den Kinderwagen oder Buggy, muss ich Kind, Tasche, Spielzeug und mit ganz viel Pech noch seinen Puppenbuggy schleppen.

Da fällt mir gleich das nächste ein. Das Essen! Kennt ihr das, wenn die Verwandten dem Kind unbedingt etwas zu essen geben wollen und sich dann beschweren, dass das Kind nicht still sitzt, das Essen nicht aufisst, Essen auf dem Boden landet oder das Essen einfach nur untersucht und dann stehen gelassen wird? Dieses Thema ist bei uns ein riesen Problem.

Die emotionale Komponente

Und dann kommt der Satz „tja, das liegt daran, dass du nicht erziehst und immer noch stillst. Du wirst ja schon sehen, was du davon hast.“ Puh, da würde ich echt am liebsten einfach (an die Decke) gehen. Aber man ist ja höflich, lächelt und sagt „Ja, wir werden sehen wie es in ein paar Jahren ist.“ War ich erst meine Familie besuchen dann habe ich erst mal genug. Klar, man kümmert sich um den Kleinen und freut sich ihn zu sehen. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass er, sein Wesen oder meine Werte akzeptiert oder respektiert werden.

Immer wenn ich Sätze höre wie „bei mir trotzt du nicht!“ fliegen bei mir alle Sicherungen raus und ich würde die Person am liebsten schütteln. Erstens – trotzen? Das Kind trotzt nicht, es ärgert sich oder ist traurig und ja verdammt, mein Kind darf seine Gefühle leben. Wenn er etwas nicht bekommt und es ihm nicht erklärt wird, dann darf er sich ungerecht behandelt fühlen und das auch ausleben. Sollen wir wirklich eine neue Generation an Erwachsenen hervorbringen, die von ihren Gefühlen komplett abgeschnitten sind? Ich denke nicht, dass das erstrebenswert ist. Zweitens, was denkt sich eine Person dabei zu sagen, mein Kind darf seine Gefühle bei ihm/ihr nicht ausleben? Abgesehen von der Betonung „bei mir trotzt du nicht.“ Mhm, das impliziert indirekt ja, dass er das nie dürfen sollte und ich dementsprechend etwas falsch mache? Ein gefährliches Terrain wie ich finde.

Konsequenzen

Klar, Familie ist wichtig, aber ganz ehrlich – wenn sie euch nicht gut tut und euch nicht unterstützt, dann kann man den Kontakt auch vermindern. Familie ist nicht alles wert. Wenn ihr nach einem Treffen vollkommen ausgelaugt seid, euch erst einmal eine Flasche Sekt oder Wein öffnen müsst und am liebsten eine Tafel Schokolade und eine Packung Chips gleichzeitig in euch hinein futtern wollt, dann solltet ihr ganz dringend etwas ändern. Das war übrigens der Punkt, an dem ich für mich gesagt habe „Stopp! So nicht mehr!“

Ich war nach dem Besuchen der Familie so fertig, aufgewühlt, verletzt, wütend und traurig, dass ich mich am liebsten verkrochen hätte. Sowas braucht niemand. Also habe ich beschlossen den Kontakt zu verringern und meine Energie mehr auf mich und mein Kind zu lenken. Siehe da – es hat funktioniert. Die Treffen sind nun ein wenig entspannter und die Spitzen wurden weniger. Sollte doch mal ein „Ich weiß es aber besser“ aufkommen, dann prallen sie an meinem dicken Fell ab und ich habe sogar schon eine Entschuldigung bekommen (eine Seltenheit leider).

Fazit

Jede Familie hat so ihre eigenen Macken, Probleme und Diskussionsherde. Ich denke jedoch, dass sich viele der Probleme gemeinsam lösen lassen. Manchmal ist die Lösung ein Gespräch, manchmal das verringern des Kontakts und in Härtefällen ist es der Kontaktabbruch. Alles ist möglich und in Ordnung. Niemand muss sich quälen und Zeit und Energie dafür opfern eine Familie zu besuchen, die nichts anderes tut als zu kritisieren, zu stänkern und in keiner Weise Unterstützung anbietet! Sucht euren Weg, den mit dem ihr glücklich seid und lasst euch von niemandem drein reden. Ihr gebt euer Bestes und das ist gut genug!

Ich hatte ja schon an anderer Stelle kurz angerissen, dass es in unserer Familie oft nicht ganz so rosig aussieht. Hier hatte ich bereits erwähnt, dass ich lernen musste „Nein“ zu sagen und hier schrieb ich darüber, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss. Wie geht es euch mit eurer Familie? Bekommt ihr genug Unterstützung? Wo sind eure Brenn- und Diskussionspunkte?

Eure Freya

Emotionaler Missbrauch in der Erziehung

Was emotionaler Missbrauch ist und die häufigsten Formen hatte ich hier bereits angerissen. Heute geht es mir allerdings darum, den emotionalen Missbrauch in der Erziehung ein wenig näher zu beleuchten. Wie ihr vielleicht schon wisst, gehe ich einen etwas anderen Weg mit meinem Kind als die meisten. Ich habe sehr viel Mist erlebt – schon in meiner Kindheit – und weiß daher, dass ich mein Kind davor schützen will. Leider falle ich durch meine Prägungen immer wieder in alte Muster zurück, welche ich Stück für Stück auflöse und umwandle. Doch jetzt geht es erst einmal um Erziehung, klassische Erziehung und warum ich diese furchtbar finde.

Was ist mit klassischer Erziehung gemeint?

Jeder stellt sich unter klassischer Erziehung etwas anderes vor, daher werde ich mal definieren, was ich meine. Für mich ist klassische Erziehung vergleichbar mit der Hundeerziehung. Es gibt Lob und Strafen. Das Ziel ist die Disziplin und der Gehorsam. Viele werden sagen „ja, aber nicht nur! Es geht doch auch um die Werte!“ Ich vertrete die Ansicht, dass die Werte nur durch Vorleben auch wirklich angenommen werden können.

Klar, ich kann meinem Kind vorbeten, dass es immer Danke und Bitte sagen muss. Aber wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind, dann ist unser Bitte und Danke ein automatischer Reflex und selten wirklich ehrlich so empfunden. Natürlich wünsche ich mir, dass mein Kind den Schmerz sieht, den er anderen zufügt und sich entschuldigt. Doch ich gehe einen Schritt weiter und hoffe, dass er sich aus tiefstem Herzen entschuldigt und nicht weil „man das ja so macht.“ Ich denke ihr habt jetzt eine bessere Vorstellung davon, was ich unter klassischer Erziehung meine und warum ich sage, ich gehe einen anderen Weg mit meinem Kind.

Was hat denn nun Emotionaler Missbrauch mit Erziehung zu tun?

Ich behaupte – alles! Die meisten klassischen Erziehungsmethoden sind emotionaler Missbrauch. Beispiele gefällig?

„Wenn du jetzt nicht sofort mitkommst, dann gehe ich ohne dich!“ – Einschüchterung, emotionale Erpressung, Aufmerksamkeitsentzug/Liebesentzug, Strafandrohung, emotionale Vernachlässigung

„Boah, du nervst!“ – Geringschätzung, den anderen als „Blitzableiter“ benutzen, emotionale Vernachlässigung

„Am liebsten würde ich dir eine scheuern.“ –
Einschüchterung, emotionale Erpressung, Aufmerksamkeitsentzug/Liebesentzug, Strafandrohung, emotionale Vernachlässigung

„Stell dich nicht so an. Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ – Geringschätzung

„Warst du das? Wenn ich draufkomme, dass du XY gemacht hast, dann setzt es was!“ – Einschüchterung, Strafandrohung, Verhör mit Strafandrohung

„Ich bin gerade so enttäuscht von dir, ich will dich nicht mehr sehen. Geh auf dein Zimmer.“ – Manipulation, Rollenumkehrung, Aufmerksamkeitsentzug/Liebesentzug, Verweigerung der Kommunikation, emotionale Vernachlässigung

Ich denke ihr habt einen ganz guten Überblick bekommen, was ich meine. All diese Sätze gehen uns so leicht von den Lippen und vermutlich haben die meisten diese Sätze auch selbst gehört. Wenn ich daran denke, was das mit mir gemacht hat und ich mir dann vorstelle, dass ich diese Sätze meinem Kind entgegenbringe … Nein danke! Ich weiß, was all diese Sätze anrichten können, denn ich habe sie alle schon gehört und noch viele mehr.

Was mache ich stattdessen?

Das kommt auf die Situation an. Ich versuche aktiv nicht mein Kind zu „bewerten“ sondern die Situation. Wenn sein Verhalten gerade anstrengend ist, dann sage ich ihm auch genau das. „Ich habe dich ganz doll lieb, aber dein Verhalten geht mir gerade ziemlich auf den Keks.“ oder auch nur ganz kurz „Boah, das nervt.“ Wenn ich doch mal in alte Muster rutsche, dann entschuldige ich mich direkt und erkläre mich. Ich erkläre, dass ich automatisch reagiert habe, dass ich mein Kind über alles liebe und er perfekt ist wie er ist. Immer wenn ich daran denke, sage ich meinem Kind wie großartig er ist und wie sehr ich ihn liebe. Klar, ich bin nicht perfekt und auch mein Kind wird irgendwann einen „Schaden“ davontragen. Doch ich versuche den Schaden gering zu halten und durch die Arbeit an mir selbst die automatischen Reaktionen zu verringern oder sogar zu eliminieren.

Das war – im Verhältnis zur Menge an Informationen die es darüber gibt – nur ein kurzer Blogpost, der zum Nachdenken anregen soll. Ich wünsche mir, dass wir alle beginnen unsere automatischen Reaktionen zu hinterfragen. Mir hilft es enorm mich zu fragen „was wäre, wenn ich an seiner Stelle wäre? Wie würde ich mich fühlen?“ Diese Fragen helfen mir zu mir zu finden. Zu der Art wie ich meinem Kind begegnen will. Ich muss jeden Tag aufs Neue an mir arbeiten und das ist nicht leicht, aber es lohnt sich.

Solltest du mit der Frage immer noch keine Antwort finden, dann stell dir doch vor, dass dich jemand so behandeln würde. Dein Partner, dein Chef, deine Familie. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du mit dieser Person ein ernstes Wörtchen reden würdest, oder? Unsere Kinder können das aber noch nicht. Sie sind auf uns angewiesen und wir sind ihre Vorbilder. Ja, alles was wir jetzt tun, wirkt sich auf unsere Kinder aus. Nicht nur seelisch, nein auch auf ihr zukünftiges Verhalten. Wir sind ihre Vorbilder und von uns lernen sie gesellschaftlich adäquates Verhalten. Dafür lohnt es sich doch, zu reflektieren und an sich zu arbeiten, findet ihr nicht?

Ich wünsche mir eine Zukunft in der unsere Kinder selbstbewusste, liebevolle und großartige Menschen werden. Lasst uns den Weg dafür ebnen, indem wir unsere Kinder mit Liebe statt Missbrauch aufwachsen lassen. Ich hoffe, dass auch ihr euren Weg findet.

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