Schlagwort: Attachment Parenting

Zwischen Beziehung und Dressur

Huhu,

heute möchte ich einfach nur meine Gedanken mit euch teilen. Ich habe bereits einige Male darüber geschrieben, dass ich in Sachen Erziehung viele Dinge anders mache als ursprünglich von mir angenommen. Ich dachte früher, ich würde mein Kind so erziehen, wie man mich erzogen hat. Mein Kind sollte Respekt lernen, gehorchen und die richtigen Werte übernehmen. Und dann kam unser Kleiner auf die Welt und alles hatte sich geändert. Ich merkte, dass es für mich unmöglich war, ihn so zu behandeln, wie man mich behandelt hatte. Wie sollte ich dieses unschuldige Wesen einfach schreien lassen? Warum sollte ich dafür sorgen, dass er ab einem von mir festgelegten Zeitpunkt Brei isst, obwohl er ihn ganz eindeutig verabscheut? Ich machte mir viele Gedanken darüber und stellte fest, dass ich mein Kind nicht so erziehen wollte. Ich wollte eine echte Beziehung zu meinem Kind und keine allmächtige Position, der sich mein Sohn beugen muss.

Ich fand den Begriff Attachment Parenting und begriff nach einiger Recherche, dass ich in einigen Fällen schon so handelte, wie auf vielen Blogs beschrieben. Irgendwann landete ich dann bei dem Begriff „Unerzogen“. Ursprünglich schüttelte ich den Kopf, verwarf jeden Gedanken daran und machte weiter wie zuvor. Nachdem mich der Begriff aber plötzlich dauernd und von überall her ansprang, recherchierte ich doch ein wenig. Ich war immer noch nicht überzeugt doch irgendetwas ließ mich nicht mehr los. Der Satz Beziehung statt Erziehung klang einleuchtend.

Der Gedanke, dass Erziehung Gewalt ist war mir auch schon gekommen. Niemand wird gerne erpresst, angeschrien oder manipuliert. Bei unseren Kindern sind diese Mittel jedoch Gang und Gäbe – warum? Wenn ich mich mit anderen über das Thema unterhielt, wurde ich für verrückt erklärt. Wieder so eine unsinnige Idee von mir, welche nicht umsetzbar ist. Allein der Gedanke daran, dass Erziehung falsch sein könnte war für 90% meiner Gesprächspartner vollkommen abwegig. Eine Beziehung hat man doch auch mit Erziehung. Was sollte man denn sonst tun? Das Kind kann ja nicht machen was es will! Wo kämen wir denn da hin?Ja wohin eigentlich? Wo wollen wir denn hin? Wünschen wir uns nicht alle eine Zukunft in der Erwachsene sich großzügig und selbstbewusst verhalten? Wollen wir nicht alle, dass unsere Kinder glücklich sind? Wie soll das gehen, wenn wir unsere Kinder dressieren wie Hunde? Welcher Platz bleibt für die Beziehung zu unserem Kind, wenn wir uns verhalten wie Diktatoren? Wir geben Befehle und erwarten, dass unsere Kinder gehorchen – Willkommen in der Hundedressur!

Nein danke. Und wie kommen wir nun zu einem anderen Weg? Wie schaffen wir es, unsere Kinder wie Menschen zu behandeln? Sie so zu behandeln, wie sie es verdient haben? Gute Frage. Ehrlich gesagt arbeite ich noch daran. Auch ich schreie manchmal. Oft habe ich den Drang, ihm einfach etwas wegzunehmen oder ihn wegzutragen. Jedes Mal aufs Neue muss ich mich daran erinnern, dass ich das nicht tun will. Ich arbeite daran meine Gefühle wieder zu spüren. Zu spüren, was ich brauche und was mir gut tut. Ich lerne endlich Nein zu sagen und auch mal zwei Meinungen nebeneinander stehen zu lassen. All das ist schwer und oft gibt es Rückschläge. Doch wenn ich mir vor Augen halte, wie viel besser es unseren Kindern in Zukunft gehen könnte, ist diese Arbeit einfach.

Wir können die Zukunft heute mitgestalten. Wir sind dafür verantwortlich, wie wir mit unseren Kindern umgehen und welche Werte wir ihnen vermitteln. Entscheiden wir uns dazu unsere Kinder ernst zu nehmen und neue Lösungen zu finden. Vielleicht kann man ja in der Badewanne Zähne putzen. Eventuell ist das Gitterbett der ideale Ort um neben Mama zu turnen und zu spielen, während sie schnell den Haushalt erledigt. Es gibt so viel mehr Lösungen, wenn wir aufhören Befehle zu geben und Gehorsam erwarten. Wir haben Kinder, keine Erwachsenen und diese Kinder sind nicht dazu verpflichtet uns zu gefallen. Wir sind dazu verpflichtet für sie da zu sein. Wir müssen dafür sorgen, dass sie eine schöne Kindheit haben.

Das bedeutet nicht, dass wir nie Nein sagen dürfen, ständig über unsere Grenzen gehen und unseren Kindern alles abnehmen. Im Gegenteil! Es bedeutet einfach, dass wir unsere Kinder als Menschen sehen und beginnen mit ihnen zu arbeiten. Ich arbeite mit meinem Kind an Lösungen, die für uns beide tragbar sind. Wenn er beschließt, dass Steckdosen großartig sind und man eine Gabel hineinsteckt, setze auch ich meine „Macht“ ein und nehme ihn weg. Ganz klar! Aber ich werde ihn nicht daran hindern mit einem Becher Wasser in eine Schüssel zu füllen, weil es mir gerade nicht passt. Das ist es, was ich euch mitgeben möchte. Arbeitet an euch – nicht euren Kindern. Denn die Beziehung zu euren Kindern ist eure Aufgabe.

Eure Freya

Den einen richtigen Weg gibt es nicht

Huhu,

in den letzten Wochen habe ich mich sehr intensiv mit meinem Leben und meinen Entscheidungen auseinandergesetzt. Bereits seit meiner Pubertät arbeite ich an mir und meiner Einstellung. Mir wurde ein sehr negatives Weltbild mitgegeben und oftmals hänge ich mich daran zu sehr auf. Ich merke jedoch, wie schlecht dieses Weltbild ist. Nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie. Sobald etwas vorgeschlagen wird, sehe ich zuerst das Negative und viele Dinge ersticke ich dadurch im Keim, obwohl sie vielleicht wunderbar werden könnten.

In den letzten Jahren habe ich in diesem Punkt viele Fortschritte gemacht und ich gebe nicht nur neuen Dingen, sondern auch neuen Personen eine Chance. Ich probiere viel mehr aus und lasse mich überraschen was passiert. Vor allem in der Küche 😉 Durch meine Arbeit an meinem Weltbild, habe ich auch einen „Erziehungsstil“ gefunden, der zu mir und vor allem zu uns passt – Attachment Parenting. Von vielen Seiten wurde ich bereits für vollkommen verrückt erklärt und mir sind die schlimmsten Dinge prophezeit worden.

Unser Sohn würde verweichlicht werden, egoistisch, ein Muttersohn, faul, wird niemals aus dem Familienbett ausziehen, wird nie ohne Windel herumlaufen, etc. Ich kann die Bedenken verstehen. Wenn man selbst anders erzogen hat, ist es schwierig, auch einen ganz anderen Weg als „richtig“ anzusehen. Doch es gibt nicht den einen Weg. Jede Familie ist anders. Was bei den Eltern geklappt hat, muss sich für die eigene Familie nicht richtig anfühlen. Es ist in Ordnung die eigene Erziehung zu hinterfragen und kritisch zu beäugen. Kein Mensch ist perfekt und auch die neue Elterngeneration wird Fehler machen.

Für mich ist das Familienbett etwas positives. Mein Umfeld findet die Idee eher seltsam. Ich kann mir nicht vorstellen, mein Kind früh abzustillen. Meine Familie hat – bis auf eine gezwungene Ausnahme – sehr früh abgestillt. Mein Kind darf alle Schränke ausräumen, weil ich dort nur ungefährliche Dinge aufbewahre, oder sein Spielzeug. Mir wurde daraufhin an den Kopf geworfen, dass ich einfach faul bin. Das ist in Ordnung, denn jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung. Jeder Mensch kann sich selbst ein Urteil bilden und dieses muss nicht positiv ausfallen. Wer das Familienbett verrückt findet ist genauso normal wie die Personen, die sich das Familienbett nicht mehr wegdenken können.

Jede Person und jede Familie hat ihren eigenen Weg und dieser ist selten geradeaus. Meist findet man seinen Weg erst nach langem Suchen und vielen Hügeln und Tälern – auch das ist in Ordnung. Wichtig ist nur, dass man sich nicht verunsichern lässt. Es wird immer jemand da sein, der euren Weg kritisch beäugt. Vertraut auf euch und euer Bauchgefühl. Wenn es sich nicht richtig anfühlt, dann lasst es einfach. Die anderen gehen nicht in euren Schuhen, wissen nicht wie ihr euch fühlt und was ihr alles zu meistern habt. Nehmt aus den Kritiken mit, was ihr brauchen könnt und lasst alles andere einfach links liegen.

Um das Ganze ein bisschen weniger theoretisch zu gestalten. Mein „verweichlichter“ Sohn, den ich immer tröste, steht bei kleinen Unfällen meist einfach auf und läuft weiter. Hin und wieder, wenn er gegen einen Stuhl läuft, rummst es kurz richtig laut, er schaut verdutzt und läuft dann weiter. Auch von Egoismus ist keine Spur. Wenn ich morgens noch richtig müde bin, weil er so spät eingeschlafen ist und so früh aufwacht, beschäftigt er sich auch gut und gerne eine halbe Stunde bis Stunde alleine, neben mir im Bett und lässt mich schlafen. Da unsere Wohnung komplett kindersicher ist, ist das ohne Probleme möglich. Jeder Weg hat seine positiven und seine negativen Seiten. Ich hoffe, ihr findet euren Weg und habt die Sicherheit, ihn einfach zu gehen ohne euch von den Stimmen anderer zu sehr beeinflussen zu lassen.

Eure Freya

„Der Kleine tanzt euch doch jetzt schon auf der Nase herum“ – vom Unverständnis für bedürfnisorientierte Erziehung

Huhu,

vor Kurzem haben wir jemanden besucht und der Tag verlief eigentlich recht entspannt. Wir haben gegessen, gespielt, gekuschelt und alles war ganz toll. Bis der Abend kam und mit ihm das Fieber.

Oh oh, die Zähne kommen

Unser Sonnenschein ist nicht krank, nein, er bekommt Zähne. Ich vermute sehr stark, dass es die Eckzähne sind, denn er hatte bisher noch nie 2 Wochen lang jeden Abend Fieber durch die Zähne. Jeder, der ein Kind hat, wird sicher schon von den Warnungen gehört haben. „Bei den Eckzähnen kann dein Kind alles haben – fürchte dich jetzt schon!“ Mir wurde von Augenentzündung, über Ohrenschmerzen, Fieber, Durchfall, Erbrechen, schlechter Laune, bis hin zu Schlaflosigkeit und Appetitlosigkeit alles Mögliche und Unmögliche „vorhergesagt“. Momentan sind wir „nur“ bei Fieber, schlechter Laune und unruhigen Nächten. *auf Holz klopf*

Und was hat das nun mit Erziehung zu tun?

Ganz einfach – mein Kind bekam am genannten Abend Fieber und schlechte Laune. Ich hatte zuvor bereits gesagt, er würde ein Zäpfchen (homöopathisch) benötigen und mir wurde erklärt, dies wäre vollkommen unnötig. Eine halbe Stunde später war aus meinem Sonnenschein ein meckerndes, anhängliches und sehr „trotziges“ Baby geworden. Wir spielten gerade Bowling auf der Wii als der „Trotzanfall“ kam. Er wollte unbedingt die Fernbedienung für die Wii haben, denn er wollte mitspielen. Ihm wurde erklärt, dass das gerade nicht geht. Wir wollten nach dieser Partie aufbrechen und haben uns beeilt, damit unser Mr. Grummel nicht zu lange warten muss. Er fing an zu weinen und steigerte sich in einen seiner – recht harmlosen – „Trotzanfälle“. Dann kam die Gastgeberin, schnappte sich den Kleinen und meinte lapidar, wir wären ja selbst Schuld an dem „Trotzanfall“, denn wir würden durch unsere Erziehung zulassen, dass er uns „auf der Nase herumtanzt“.

Autsch.

Ich schluckte – dank meiner Erziehung und meiner Selbstkontrolle – allerlei bissige Kommentare herunter und grummelte leise vor mich hin. Das hatte gesessen. Mein Kind ist vielleicht ein wenig früh dran, aber mir Inkompetenz zu unterstellen, weil er „trotzte“? Puh. Ich ließ mir mein Kind abnehmen, spielte zu Ende, machte uns fertig und wir gingen. Mein müdes Kind im Kinderwagen, mein Lebensgefährte neben mir und ich, die angesäuert den Kinderwagen schob.

Wieso ich nichts gesagt habe

Ich kenne diese Person sehr gut und ich denke, dass viele Menschen ähnliche Personen kennen. Menschen, die jahrelang etwas „so und nicht anders“ gemacht haben und mehr oder weniger gute Erfolge erzielt haben. Kommt man hier mit anderen Ideen und Wegen an, werden diese oft ungesehen verschmäht. Hinzu kommt, dass ich bei dieser speziellen Person sehr schnell sehr emotional werde. Da ich in der Situation wusste, dass es meinem Kind schaden würde, habe ich also den Mund gehalten – vorerst. Ich habe mir bereits einige Möglichkeiten zurechtgelegt, wie ich dieses Thema demnächst ansprechen werde, denn ich habe schon oft Sätze gehört wie „na wenn du meinst – ist eh dein Kind“ oder auch „das ist eh deine Sache, aber …“. Kommt euch bekannt vor? Mir leider auch.

Wer gegen den Strom schwimmt …

Mit meiner „Erziehung“ stoße ich leider sehr oft auf Unverständnis. Wenn ich sage, dass ich mit meinem Kind kooperiere, werde ich zwischendurch sogar belächelt. Der Ansatz, dass das Kind ein Wesen ist, welches Respekt verdient hat, ist leider nicht so weit verbreitet wie ich gehofft habe. Ich muss zugeben, dass ich früher unreflektiert die Erziehungsgrundsätze meiner Eltern und Großeltern übernommen habe. Das Kind muss funktionieren, es braucht grenzen, es muss gehorchen und es muss brav sein. Mittlerweile sehe ich das Ganze ein wenig anders. Mein Kind ist ein menschliches Wesen. Es muss gar nichts. Ich will meinem Kind nicht meinen Willen aufzwingen. Er soll frei entscheiden und leben können. Natürlich greife ich ein, wenn ich denke die Situation ist gefährlich, schädlich oder sogar lebensbedrohlich! Doch ich gebe ihm nicht vor was er kann und was nicht.

Von der freien Entscheidung

Er kann selbst entscheiden was er anzieht. Ich kann nicht wissen, wie warm oder kalt ihm ist. Ich gebe ihm jedoch die Möglichkeit sich später anders zu entscheiden, indem ich wärmere Kleidung mitnehme. Er kann auch selbst entscheiden, ob er gerade Hunger hat oder nicht. Auch hier biete ich ihm Essen an, aber ich zwinge ihn nicht dazu um eine bestimmte, von mir festgelegte Uhrzeit zu essen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Ich hoffe sehr, dass mehr Menschen ein zweites Mal über das Thema Erziehung nachdenken. Die meisten Eltern wollen ihre Kinder zu selbstständigen Wesen erziehen, welche kritisch hinterfragen, Initiative zeigen, kreativ sind, etc. Meiner Meinung nach ist es jedoch nicht zuträglich den Kindern dann jede Entscheidung abzunehmen, ihnen zu erklären, dass sie noch „zu klein“ für dieses und jenes sind und Regeln durch sture Konsequenz durchzusetzen. Natürlich gibt es Regeln – die gibt es überall. Und klar können Kinder nicht alles selbst tun und brauchen – je nach Alter – bei einigen Dingen Hilfe. Doch wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind – ist es zum Schutz der Kinder oder aus Faulheit? Wenn mein Sohn mit seinem kleinen Besen hinter mir her läuft und „zusammenkehrt“, dann lasse ich ihn das machen. Natürlich ist es danach nicht sauber. Doch er liebt es, mir zu helfen und ich sehe keinen wirklichen Grund, ihm das zu verwehren.

Ein weiter Weg

Ich lerne noch immer und ich bin definitiv nicht perfekt. Doch ich hoffe, dass einige Erwachsene vielleicht ebenfalls Schritt für Schritt umdenken und die alten Muster überdenken. Stehen sie wirklich im Einklang mit dem, was ihr für eure Kinder wollt? Ist wirklich jedes „Nein“ notwendig? Würde es euch nicht auch frustrieren, wenn ihr bei allem was ihr tun wollt ein „Nein“ entgegen geschmettert bekommt? Mit diesen Fragen lasse ich euch für heute alleine.

Eure Freya

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