Vom schlechten Gewissen und der perfekten Mama

Huhu,

ich denke (nein, ich hoffe) ich bin damit nicht alleine. An manchen Tagen scheint einfach wirklich rein gar nichts zu klappen. Letzte Woche hatte ich so einen Tag. Abends hatte sich Besuch angemeldet, ich sah mich in der Wohnung um und dachte „Verdammt, noch so viel zu erledigen.“ Der Kleine hatte furchtbar schlechte Laune und selbst zusammenkehren war eine unmögliche Aufgabe. Nach 3 Stunden abwechselnd Kind durch die Wohnung tragen, ins Gitterbett stellen, schnell eine Ecke fegen und dann wieder zum weinenden Kind eilen war meine Laune vollkommen im Eimer. Ich war frustriert, wütend und genervt. Nach 3 Stunden hatte ich es weder geschafft mein Kind zu beruhigen (von schlafen legen wollen wir gar nicht anfangen) noch hatte ich die 10m² große Küche gefegt. Ich hatte noch weitere 5 Zimmer zu kehren und nur mehr 3 Stunden Zeit.

Also nahm ich mein Kind erneut hoch und lief durch die Wohnung. Durch meine Laune hatte ich ihn natürlich nur noch mehr aufgeputscht und war gar nicht mehr zu beruhigen. Nach kurzer Zeit wanderte er – schreiend – in sein Bett und ich kehrte die Küche fertig, um meine Frustration in den Griff zu bekommen. Das klappte natürlich nicht wie gewünscht und irgendwann schnappte ich ihn mir, ging ins Schlafzimmer und „schrie“ mir meine Frustration von der Seele. „Schreien“ weil es nicht an ihn gerichtet war. Es war einfach ein Herauslassen der Wut und Frustration ohne Ziel. Er sah mich groß an, ich erklärte ihm was mich beschäftigte und damit war die Situation überwunden. Er bekam eine frische Windel, ich stillte ihn und anschließend konnte ich 3 weitere Zimmer kehren. Die Tür zu den anderen Zimmern machte ich einfach zu, denn dort würde mein Besuch sowieso nicht hin wollen oder müssen.

Warum ich unbedingt kehren wollte? Tja, weil ich was das anbelangt einfach nicht anders „kann“. Klar, mir könnte es egal sein was andere denken, doch wenn ich weiß, dass jemand mit recht hohen Ansprüchen vorbeikommt, dann will ich eine halbwegs vorzeigbare Wohnung haben. Meine Ansprüche an mich selbst sind hier einfach hoch und auch wenn es vielleicht nicht so wirkt – sie sind schon sehr gesunken. Früher hätte ich den Tag zuvor Staub gewischt, gekehrt, den Staubsauger geschwungen, aufgewaschen, zusammengeräumt, die gesamte Küche und alle Fenster geputzt, etc. Heute reicht mir kehren und eine halbwegs aufgeräumte Wohnung. Das ist einfach etwas, womit ich mich persönlich wohler fühle.

Was hat die Situation mit schlechtem Gewissen und perfekten Mamas zu tun? Alles. Ich wollte immer die „perfekte“ Mama sein. Eine saubere und immer perfekt geputzte Wohnung, immer frisch gekochtes Essen und Backwaren. Sohl Routine haben als auch spontan etwas unternehmen. Die perfekte Frau und Partnerin sein. Nebenher spielend leicht Karriere machen. Ihr kennt dieses Bild wahrscheinlich und Überraschung – das ist unmöglich.

Ich arbeite (noch) täglich von 10 bis 15 Uhr von zu Hause aus. Ich koche zwar meistens frisch, aber zwischendurch gibt es auch einfach nur Würstel oder das Essen vom Vortag. Backen ist ein Luxus, denn wir haben noch kein Backofengitter und mein kleiner Racker ist fasziniert von leuchtenden Dingen. Da ich keine Brandblasen verarzten will, wird halt nur dann gebacken, wenn mein Sohnemann selig schläft und auch mein Mann zu Hause ist. Routine gibt es bei uns zu Hause nicht wirklich, denn unser Sonnenschein stellt jeden Plan auf den Kopf. Spontanität ist ebenfalls eher Wunschdenken, denn auch hier macht mein Kleiner oft einen Strich durch die Rechnung. Von der „perfekten“ Frau und Partnerin wollen wir gar nicht erst anfangen.

Dummerweise bin ich – wie viele andere Mamas – seit meiner Schwangerschaft sehr viel im Internet unterwegs. Dort tummeln sich massig Mamas, die einfach perfekt scheinen. Sie arbeiten, informieren sich, leben gesund, machen Sport, führen eine glückliche Beziehung, haben eine tolle Beziehung zu ihrem Kind, etc. Dann sitze ich oft vor dem PC und denke mir „Sie schafft es doch auch. Das muss doch gehen!“ und dann kommt mein schlechtes Gewissen. Vergleiche sind schlecht – ja, doch das geschieht so automatisch, dass man es einfach nicht verhindern kann.

„Andere Mütter schaffen das doch auch.“ Dieser Satz kam mir schon oft in den Sinn und ich habe ihn leider auch schon zu hören bekommen. Solche Sätze sind unglaublich schmerzhaft, denn man beginnt an sich selbst zu zweifeln. Aber jede Mama ist eine „perfekte“ Mama. Ich wage zu behaupten, dass jede Mama ihr Bestes gibt um die „perfekte“ Mama für ihr Kind bzw. ihre Kinder zu sein. Klappt es mal nicht wie gewünscht, dann ist das auch in Ordnung. Man muss nicht alles „perfekt“ machen um „perfekt“ zu sein. Unsere Kinder lernen auch aus Fehlern. Wenn wir zu unseren Fehlern stehen und reflektiert und angemessen damit umgehen, dann können unsere Kinder so viel daraus lernen.

Ich habe mich viel mit „Good enough parenting“ auseinandergesetzt und dachte immer „Ja, genau!“ Wirklich verstanden hatte ich es aber wohl nicht. Erst diese -für mich – furchtbare Situation, in der sich meine Gefühle so extrem aufgestaut hatten, hat mir die Augen geöffnet und mich dazu gebracht diese Einstellung wirklich zu „übernehmen“. Man kann so viele Dinge lesen und lernen, doch wirklich verstehen können wir vieles erst dann, wenn wir selbst in so eine Situation geraten und die Erkenntnis haben, dass wir nicht perfekt sein können.

Das hat mich auch dazu gebracht noch einmal darüber nachzudenken, warum ich eigentlich diesen Blog schreibe. Die meisten Mama-Blogs sind von Journalisten, Hebammen, Pädagogen, Psychologen, etc. Nur wenige sind von Müttern, welche nicht schon zuvor auf irgendeine Art und Weise in dieser Richtung – sei es schriftstellerisch oder im Bereich Soziales – tätig waren. Mir hat das einfach gefehlt und ich wollte meine Erfahrungen mit euch teilen. Ich möchte euch daran teilhaben lassen, wie ich meinen Weg als Mama finde. Mein Anliegen ist es, dass ihr vielleicht ein paar Dinge mitnehmt, die euch dabei helfen können, den Alltag als Mama zu meistern oder auch an manchen Tagen einfach nur zu überstehen. Das heißt bitte nicht, dass die Blogs von Mamas aus diesen Bereichen schlecht sind oder ich sie nicht lese – ganz im Gegenteil. Ich lese sogar ganz viele dieser Blogs und bin sehr dankbar über die dortigen Informationen.

Eure Freya

Feiertagsstress und Glückskekse

Huhu,

in letzter Zeit war es wirklich sehr still bei mir. Es gab sehr viel zu tun, ein Umzug stand an, wir hatten Besuch, die Feiertage rund um Weihnachten waren völlig ausgebucht und irgendwo dazwischen musste ich auch noch backen. Aber beginnen wir am Anfang. Wir haben es irgendwie geschafft mit einem 7 Monate (nun fast 9 Monate) alten Baby umzuziehen. Es war sehr anstrengend und stressig, aber durchaus machbar. Nun wohnen wir wieder in Wien. Home sweet home 😉 Heute montiert mein Lebensgefährte die letzten Regale und Lampen und dann sind wir vorerst fertig – zum Glück!

Zu Weihnachten waren wir bei meiner Mutter, einen Tag später bei meiner Urgroßmutter und den Tag darauf bei meinem Vater. Am 29. trudelte abends unser Besuch ein. Alles sehr stressig, aber trotz allem schön. Weihnachten war für meine Mutter wahrscheinlich viel stressiger als für mich. Mein Kleiner hat ganz viel Spielzeug vom Christkind bekommen. Sein neues Spielzeug macht sehr viel Krach und er liebt es. Allerdings finde ich den Apfel, der von „leckerem Obstsalat“ singt, schon ein wenig zynisch. Aber gut, er liebt diesen Apfel – was will man mehr?

Die Tage nach Weihnachten sind wir täglich einkaufen gegangen, damit wir über Silvester genug zu essen haben. Wir hatten ja Besuch von 3 Verwandten – da muss natürlich aufgetischt werden. Ich habe mir – wie immer – viel zu viel Stress gemacht und nun haben wir eine übervolle Gefriertruhe. Silvester hat mein kleiner Frosch einfach mal verschlafen. Er ist ungefähr 30 Minuten vor Mitternacht eingeschlafen und erst 45 Minuten nach Mitternacht aufgewacht. Es gab Fondue und Raclette. Sollten wir zu Silvester jemals wieder Besuch haben, dann würde ich viel weniger einkaufen, alles viel früher schneiden, eine zweite Gefriertruhe besorgen, nicht vergessen das Essen aufzutauen und vor allem einen größeren Tisch besorgen. Aber gut – aus Fehlern lernt man bekanntlich. Neujahrsvorsätze gibt es bisher nicht wirklich.

Zum Thema schlafen habe ich auch eine Neuigkeit. Seit der Nacht vom 31. auf den 1. schläft mein Sonnenschein tagsüber auch in seinem eigenen Bett. Er schläft dort zwar nicht ein, aber er schläft nun dort weiter, wenn man ihn hineinlegt.

Was soll das mit den Glückskeksen? Ganz einfach – zu Silvester haben wir Glückskekse gebacken. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass sie so einfach und schnell gehen. Da Glückskekse eigentlich immer verschenkbar sind und nicht unbedingt nur eine Chinarestaurant- oder Silvester-Sache sind, möchte ich euch hier das Rezept geben.

Glückskekse

ca. 12 Stück

  • 2 Eiklar
  • 40 g Staubzucker
  • 30 g zerlassene Butter
  • 40 g Mehl

Eiklar cremig schlagen, Staubzucker und zerlassene Butter untermischen, zuletzt das Mehl einrühren.  Aus der Masse jeweils 2-3 Scheiben (8 cm Durchmesser) auf ein mit Backpapier belegtes Bleck streichen. Im Rohr bei 180° C ca. 5 Minuten backen. Sehr rasch arbeiten, da der Teig nur heiß formbar ist! Kekse herausnehmen, Botschaft darauflegen, Kekse sofort über die Mitte zusammenklappen und die Enden zusammenführen. Kekse auskühlen lassen.

Eure Freya