Huhu,

als Mutter (ob frischgebacken oder nicht) höre ich sehr viele – sicher gut gemeinte – Ratschläge. Zu allen Themenbereichen und von allen möglichen Menschen. Schon in der Schwangerschaft fangen viele damit an. Da kommen Tipps wie „Du darfst keinen Knoblauch und keine Zwiebeln essen“ oder auch „Ein Glas Wein schadet deinem Kind nicht – trink doch was“. Die Bandbreite reicht von absoluter Übervorsicht bis hin zu, nennen wir es einfach „Egoismus“.

Ich war mein ganzes Leben eher ein Mensch, der sich nicht so leicht von Ratschlägen beeinflussen ließ. In der Schwangerschaft haben mir jedoch die Hormone – wie vermutlich jeder Schwangeren – ziemlich übel mitgespielt und einige Ratschläge haben sich regelrecht in meine Gedanken gefressen. Ich war von Haus aus verunsichert, da ich weit weg von meiner Familie wohnte und zu allem Überdruss auch gerade ziemlichen Streit mit dieser hatte. In einer noch immer fremden Umgebung als Schwangere inmitten von gefühlten Millionen Ratschlägen, habe ich begonnen Google zu den Tipps zu befragen. Das war einerseits vermutlich das beste und andererseits das schlimmste, was ich tun konnte. Kaum war die erste Angst genommen, stolperte ich über etwas Neues und musste darüber recherchieren. Ein Teufelskreis aus dem ich nie wirklich heraus kam.

Nach einiger Zeit hatte sich dann der Streit mehr oder weniger gelöst und ich hatte auch wieder mehr familiären Rückhalt. Dadurch hatte sich meine Unsicherheit ein wenig gelöst. Dann kam unser Umzug. 3 Monate vor dem genannten Termin beschlossen wir, dass wir jetzt umziehen sollten. Ich schob also meine Kugel durch die gesamte Wohnung und begann alles einzupacken. 2 Monate vor der Geburt zogen wir dann wirklich um. Bis wir dann jedoch die richtige Wohnung hatten, dauerte es ein wenig und im letzten Monat begann ich damit, alles wieder auszupacken. In dieser Zeit hörte ich mehr gut gemeinte Ratschläge als jemals zuvor. „Überanstrenge dich nicht!“, „Mach oft Pause“, „Lass das doch alles stehen“, etc. Ihr könnt es euch bestimmt denken.

Dann – 2 Wochen zu früh – kam die Geburt. Ich dachte, dass ich viel mehr Zeit hätte – ein schwerer Fehler – und hatte noch nichts gepackt. Ich lief also mit Blasensprung durch die Wohnung, packte alles ein. Mein Lebensgefährte war verständlicherweise nervös und meine Großmutter bekam sicher einige graue Haare mehr, als ich sagte, dass ich nun auch noch schnell duschen wollte. Ja, ich weiß – mit Blasensprung sollte man sich nicht mehr bewegen. Das Problem war nur, ich wusste, dass die Geburt nicht lange dauern würde und ich im Krankenhaus keine Zeit mehr gehabt hätte. Also schnell in die Badewanne gesetzt und geduscht. Meine Mutter war bereits informiert und unterwegs ins Krankenhaus. Den Blasensprung hatte ich gegen 7:30 morgens und mein Kleiner war gegen 14 Uhr bereits da.

Nach der Geburt kamen dann erneut sehr viele Ratschläge – vor allem von den Hebammen. Mir wurden zwei Stillpositionen diktiert, welche für mein Kind und mich so gar nicht passten. Kaum hatte ich meinen Kleinen wieder hingesetzt (er isst nur im Sitzen), wurde er mir wieder anders hingesetzt. Die 3 Tage im Krankenhaus waren dadurch nicht sonderlich angenehm, da mein Kind immer nur nachts richtig gegessen hat. Kaum waren wir zu Hause fingen dann schon die nächsten Ratschläge an. „Lass dein Kind ja nicht in eurem Bett schlafen – den kriegt ihr nie mehr raus!“ oder „Wenn er Durst hat, dann gib ihm ruhig auch mal Tee“.

Als junge Mutter saß ich dann zu Hause, sah auf der einen Seite mein Verhalten und mein Bauchgefühl und auf der anderen Seite die Erfahrung und die Ratschläge anderer. Oft knickte ich ein und versuchte den Ratschlägen zu folgen. Die ältere Generation hatte schon Kinder, sie müssen es ja wissen.

Immer wenn das Thema Familienbett aufkam, bekam ich ein schlechtes Gewissen. Einerseits wurde mir schon von Anfang an beigebracht, dass das Familienbett böse ist. Das Familienbett ist der Feind der Ehe, ist schlecht für die Kinder und das Sexleben und man darf es gar nicht erst so weit kommen lassen. Da war ich nun – im Familienbett. Neben mir meinen Sohn und meinen Lebensgefährten und ich hatte ein schlechtes Gewissen. Ich wusste, mein Kind braucht die Nähe und doch schrie etwas in mir, dass mein Baby alleine schlafen muss. Er muss es ja doch irgendwann lernen, besser früher als später.

Noch im Wochenbett kam dann meine Schwiegermutter zu Besuch. Ich wusste, die Frage würde kommen und doch war ich nicht wirklich darauf vorbereitet. „Isst er auch etwas anderes?“ Ich schluckte. Er war noch keine 4 Monate, also stillte ich. Es gab nur zwischendurch Fenchel-Tee, wenn er zu starke Bauchschmerzen hatte. Also antwortete ich wahrheitsgemäß mit nein. Ein enttäuschter Blick und ich fühlte einen kleinen Stich. Sollte ich ihn schon anderweitig füttern? Er zeigte keinerlei Interesse an anderer Nahrung, nein, das war unsinnig und doch war da das schlechte Gewissen. Mein Wochenbett war furchtbar, all der Stress und das schlechte Gewissen fraßen mich auf. Dazu kam noch die „normale“ Angst etwas falsch zu machen. Kurzum, ich würde es nächstes Mal ganz anders machen.

Irgendwann saß ich dann bei meiner Großmutter und wir unterhielten uns – wie immer – über das Thema Kinder. Dann kam ein Satz, den ich anscheinend unbedingt hören musste. „Es ist dein Kind, DU musst wissen was du machst und wie du ihn erziehst. Immerhin kennst DU dein Kind am besten.“

Das war es. Ich saß erst einmal da und dachte darüber nach. Ja, genau so ist es. Ich bin diejenige, die ihn 24/7 bei, um und auf sich hat, die am Schreien erkennt, ob er Bauchweh oder Hunger hat, die ihn in den Schlaf wiegt und kuschelt. Ich bin nicht nur die Futterquelle oder der Kuschelteddy – ich bin seine Mutter und es ist meine Pflicht für mein Kind die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Nach diesem Satz begann ich, noch einmal über alles nachzudenken. Wollte ich ihn zwischendurch mit Tee füttern? Nein, also weg damit. Wollte ich ihn zwingen in sein Bett zu wandern? Nein, auf jeden Fall noch nicht jetzt. Also blieb er in unserem Bett.

Ich hatte angefangen meine Meinung zu vertreten und auch zu verteidigen. Zuvor hatte ich auf die Frage „Schläft er schon alleine?“ immer kleinlaut geantwortet „Nein, aber ich lege ihn tagsüber immer wieder in sein Bett und manchmal schläft er auch dort.“ Dann kam immer dieser Blick, der mir sagte, dass ich mich nicht genug anstrengte und dass es nicht gut genug war. Danach sagte ich einfach nur „Nein, aber offensichtlich braucht er die Nähe noch. Kinder gehen irgendwann von selbst in ihre eigenen Betten.“ Der Blick kam immer noch, aber das schlechte Gewissen wurde immer weniger.

In manchen Punkten ertappe ich mich immer noch dabei, wie ich nachgeben will. Mein Fröschli hat bereits mit 3 Monaten alles was in meinem Mund landete fasziniert beobachtet und ganz eindeutig gezeigt, dass er das auch essen will. Damals hieß es schon „Na, dann kannst du ja schon mit Beikost anfangen.“ Ich wollte aber mindestens 6 Monate stillen. Also schloss ich einen Kompromiss mit mir selbst und gab ihm mit 4 Monaten das erste Mal Apfel-Bananen-Brei. Im Nachhinein betrachtet war das nicht die beste Wahl, denn Bananen stopfen leider ziemlich und eigentlich will ich auch noch nicht abstillen. Da mein Kleiner jedoch immer noch alles essen will, was Mama und Papa essen, hätte ich sowieso bald mit Beikost angefangen. Ich habe für mich jedoch festgestellt, dass ich es sehr langsam angehen möchte.

Wie lernt man also „Nein“ zu sagen? Jeder wird wahrscheinlich auf seine eigene Art und Weise diese „Mini-Erleuchtung“ haben oder bekommen. Vielleicht brauchen manche sie aber auch gar nicht und setzen von Anfang an ihren Willen durch. Ich denke, das Wissen, dass man selbst es am besten weiß, gibt fast jedem genug Selbstvertrauen um seine Ansichten einfach durchzusetzen.

Versteht mich nicht falsch – ich will niemanden dazu auffordern alle Ratschläge zu ignorieren oder immer auf die Richtigkeit der eigenen Meinung zu pochen. Es sind auch nicht alle Ratschläge schlecht – ganz im Gegenteil! Ich möchte nur, dass ihr überlegt, ob ihr das für euer Kind macht oder für jemand anderen. Wenn ihr es nämlich nicht als richtig und gut empfindet, dann lasst es bleiben. Das allerwichtigste ist euer Bauchgefühl. Ihr kennt euer Kind am besten und daher wisst ihr auch was das Beste für euer Kind ist – lasst euch also nichts anderes einreden!

Wie geht ihr mit gut gemeinten Ratschlägen um? Befolgt ihr alle Ratschläge der älteren Generation? Hattet ihr auch schon Situationen, in denen euch das Gefühl gegeben wurde, ihr würdet eine schlechte Entscheidung treffen?

Eure Freya