Huhu,

diesen Satz hört wohl jede Mutter mindestens einmal in ihrem Leben. „Lass ihn ruhig schreien“ hat öfter auch Nachsätze wie „meinen Kindern hat es auch nicht geschadet“, „du bist zu überfürsorglich“ oder auch „das stärkt die Lungen“.

Sofort macht sich in der betroffenen Mutter eine Urangst breit. Mache ich etwas falsch? Bin ich wirklich zu überfürsorglich? Sollte ich ihn öfter schreien lassen? Verwöhne ich mein Kind zu sehr?

Die Antwort lautet in diesem Fall immer und ganz klar – Nein!!! Es ist nicht gesund sein Kind schreien zu lassen. Es gibt heutzutage genügend Studien die belegen, dass Babys nicht aus Boshaftigkeit schreien, sondern aus einem dringenden Bedürfnis heraus, welches befriedigt werden möchte und auch sollte.

Dein Baby schreit? Dann hat es vielleicht Hunger, Schmerzen oder braucht gerade Nähe. Diese Bedürfnisse sind nicht nur für Babys wichtig – Erwachsene haben sie auch. Babys können ihre Bedürfnisse nur durch Schreien äußern, doch das macht sie nicht unwichtiger oder gar bösartiger.

Bei vielen Erwachsenen bekommt man manchmal das Gefühl, dass sie meinen, die Babys würden nur schreien um sie zu ärgern. „Er schreit heute schon den ganzen Tag, er kann nicht schon wieder etwas brauchen.“ Doch, natürlich. Vielleicht hat das Baby gerade eine Phase, in der es sich weiterentwickelt und daher noch mehr Nähe braucht als sonst. Möglicherweise geht es ihm aber auch gerade einfach nicht gut oder er hat sich erschreckt.

Ich denke, wir müssen anfangen Parallelen zu ziehen – zwischen uns und unseren Kindern. Wenn wir Hunger haben, dann wollen wir auch nicht ewig warten, bis wir etwas essen können oder dürfen. Brauchen wir Nähe, so sind wir froh, wenn wir jemanden haben, mit dem wir reden können und der uns vielleicht sogar in den Arm nimmt.

Sind diese Bedürfnisse dazu da um jemanden zu ärgern? Nein, natürlich nicht. Sie sind dazu da uns zu beschützen und um uns beschützt zu fühlen. So geht es auch unseren Babys. Kein Baby schreit, weil es Spaß daran hat. Sie brauchen uns. Schreien ist ihre einzige Möglichkeit sich uns mitzuteilen.

Wenn wir nach jemandem rufen und der andere reagiert nicht, wie fühlen wir uns dann? Genau – schlecht. Wir fühlen uns ignoriert und im schlimmsten Fall sogar zurückgewiesen, unwichtig oder ungeliebt. Irgendwann hören wir auf zu rufen. Ist es bei unseren Kindern und Babys erst einmal so weit, dann nicht, weil sie denken „Oh, Mama oder Papa haben gerade keine Zeit, ich warte jetzt“, sondern weil sie Angst haben. Sie denken, sie sind alleine und müssen still sein, damit keine wilden Tiere sie fressen. Unsere Kinder wissen nicht, dass unsere Wohnungen und Häuser sicher sind. Sie fühlen sich nur dann sicher, wenn jemand bei ihnen ist und ich sehe es als meine Pflicht an, meinem Sohn diese Sicherheit zu geben.

Die Wissenschaft hat so viele Fortschritte gemacht und trotz allem halten sich einige Ammenmärchen und „Weisheiten“ bis in die heutige Zeit. Die Aussage „es schadet nicht, wenn er auch mal schreit“ ist leider falsch. Nein, wenn das Kind zwischendurch 1-2 Minuten schreit, weil man gerade unter der Dusche oder am Klo ist, dann ist das natürlich nicht schädlich. Es geht mir um das ständige lange anhaltende Schreien lassen. Vor allem die älteren Generationen haben ihre Kinder zwischendurch schreien lassen, bis diese eingeschlafen sind. Ich möchte hier keine böse Absicht unterstellen oder behaupten, dass alle dies so gemacht hätten – nichts läge mir ferner. Doch Kinder die sich in den Schlaf schreien „müssen“, tragen laut heutigen Erkenntnissen leider sehr wohl Schäden davon und ich möchte hier mit diesem Ammenmärchen aufräumen.

Sollte also nächstes Mal jemand zu mir sagen, dass ich überfürsorglich sei, kann ich dies mit ruhigem Gewissen verneinen und mich darum kümmern, dass mein Kind alles bekommt was es braucht. Ich hoffe sehr, dass auch ihr euch nicht verunsichern lasst. Ich bin mir sicher, ihr werdet euren Weg finden.

Eure Freya